Direktorium

Napoleon rettet die Republik
Der Terror war beendet, doch die Republik kam nicht zur Ruhe. In der Bretagne war mit englischer Hilfe im Sommer ein Armee der Exilanten gelandet, der Graf von Artois  scharrte wenig später auf der Insel Ile d'Yeu die Königstreuen Choans und Vendèens um sich. Nach der Hinrichtung Ludwig XVI. und als Reaktion auf die antiklerikalen Gesetze organisieren sich die Choans, eine Bezeichnung für die bretonische Royalisten, und entfachten einen Aufstand. Mit äußerster Gewalt ging man gegen die Aufständischen vor. Geführt werden sie von Marquis de la Rouerie und von Georges Cadoudal. Bei Quiberon wurden die Choans 1795 von einem Revolutionsheer geschlagen.

Auch Paris blieb von den Unruhen nicht verschont. Dort kündigte sich ein Kampf zwischen den Verfassungstreuen und den Königstreuen an. Die Verfassungstreuen wurden von Barras angeführt. Barras war kein Soldat und auf der Höhe der Krise auf einen Fachmann angewiesen. Am Abend des 12. Vendémiare, der 4. Oktober, war Napoleon auf dem Weg ins Theater, als er Nationalgardisten sah und diese gegen den Konvent zu den Waffen riefen. Napoleon begab sich zum Konvent und erfuhr dort von Stanislas Frérons, dass Barras zum Oberbefehlshaber der Armee des Inneren ernannt wurde. Frérons erinnerte sich an Napoleons Rolle in Toulon und brachte ihn in  Barras Hauptquartier an der Place de Carrousel.

Napoleon musste nicht lange überzeugt werden, er wollte seinen Beitrag leisten um die Verfassung, und damit die Republik, zu schützen. Dafür benötigte er Kanonen und diese standen etwa sechs Meilen von Paris entfernt auf der Ebene von Sablons. Napoleon beauftragte den jungen Kavallerieoffizier Murat die Kanonen unter allen Umständen zu sichern und in die Stadt zu bringen. Tatsächlich gelang es Murat die Kanone in letzter Sekunde vor den Rebellen zu sichern. Um sechs Uhr morgens nahm Napoleon diese in Empfang. Die deutlich überlegenden Rebellen marschierten bereits auf die Tuilerien zu. Napoleon ließ die Kanonen an geeigneter Stelle positionieren, mit Kartätschen laden und erwartete den Angriff. Am Nachmittag begann der Angriff der Rebellen. Ihnen gelang es mühelos die von Barras errichteten Barrikaden zu durchbrechen. Die Regierungstruppen wurden zurückgedrängt und die Aufständischen kamen dem Regierungssitz immer näher. Sie stürmten die Rue Saint-Honoré hinauf in die Rue Neuve Saint-Roch. Nachdem Barras den Feuerbefehl gegeben hatte, entluden sich die Kanonen gegen die Rebellen. Verzweifelten versuchten sie einen anderen Weg zu finden, doch auch hier hatte Napoleon Kanonen aufstellen lassen. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, die Republik gerettet und Napoleon als Held gefeiert.
 
 
Der Graf von Artois wagte es nun nicht mehr die Insel zu verlassen und die Choans in den Kampf zu führen. Zahlreiche Kritiker der Revolution wurden in der Bretagne hingerichtet. Um noch schneller morden zu können, kam man auf die grausamsten Methoden. Hunderte starben durch die "Hochzeit von Nantes" oder "Republikanische Taufe". Dabei wurden die Opfer alleine oder zusammengebunden ins Wasser geworfen und ertranken.

Die Verfassung trat am 27. Oktober 1795 in Wirksamkeit. In das Direktorium wurden nur alte Montagnards (Carnot, Rewbell, Barras, Laréveillère und Letourneur) gewählt, von denen Barras der bedeutendste war. Der Schwerpunkt der Situation für die neue französische Regierung lag in den auswärtigen Verhältnissen, denn schon war das Volk über die einst so heiß ersehnte Freiheit enttäuscht und strebte vielmehr nach äußerem Glanz und Ruhm.

Überdies konnten nur durch große Kontributionen im Ausland die Finanzen des Staats in Ordnung gebracht werden. Das Direktorium beabsichtigte einen zweifachen Angriff auf Österreich: durch die beiden Armeen Jourdans und Moreaus in Deutschland und das italienische Heer unter Bonaparte.

In Deutschland hatten die Franzosen keinen Erfolg. Erzherzog Karl ließ sie bis nach Bayern vordringen, um sich mit gesammelter Macht erst auf Jourdan zu werfen, den er am 24. August bei Amberg und am 4. September bei Würzburg  bis zur Auflösung schlug, und dann Moreau zum verlustvollen Rückzug in das Elsass zu zwingen.
Bonaparte in Italien
Erfolgreicher war Bonaparte in Italien gewesen. In mehreren siegreichen Schlachten vertrieb er im April 1796 die Österreicher aus Piemont, zog in Mailand ein und zwang die italienischen Fürsten sämtlich zu Friedensverträgen, in denen sie sich zu Lieferungen und Geldzahlungen verstehen mussten. Nur Mantua hielt sich noch, und Österreich sandte, um diese wichtige Festung zu entsetzen, eine Armee nach der andern nach Oberitalien. Aber das Heer Wurmsers wurde bei Castiglione (5. August), die beiden Armeen Alvinczys nacheinander bei Arcole (15.-17. November) und Rivoli (14. Januar 1797) geschlagen.
 
Übergabe der Fahnen
 
Am 2. Febr. 1797 musste Mantua kapitulieren, und damit war Italien für Österreich verloren. Mit Hilfe beträchtlicher Verstärkungen nötigte Bonaparte den Papst zu dem verlustreichen Frieden von Tolentino. Die Lombardei wurde zur Cisalpinischen, einige römische und modenesische Provinzen zur Cispadanischen Republik umgewandelt. Als Bonaparte durch die Ostalpen auf Wien marschierte, entschloss sich Österreich am 7. April 1797 zum Waffenstillstand von Leoben, dem am 17. Oktober zu Campo Formio der förmliche Friedensschluss folgte: Belgien und das linke Rheinufer wurden an Frankreich abgetreten; Österreich erkannte die oberitalienischen Republiken an und wurde durch Venetien und einige deutsche Stifter entschädigt, wie denn auch die Fürsten, welche in Italien und links des Rheins Verluste erlitten hatten, im Deutschen Reich entschädigt werden sollten. Hierüber sollte ein Kongress in Rastatt verhandeln.
18. Fructidor V
Nach diesen Erfolgen kehrte Napoleon nach Paris zurück. Hier hatte das Direktorium eine schwierige Stellung. Die kommunistische Verschwörung Babeufs wurde zwar zeitig entdeckt und durch die Hinrichtung ihrer Führer im Mai 1796 unterdrückt; den zunehmenden Royalismus, welcher im Sommer 1797 schon die Mehrheit der beiden Räte und auch ein Mitglied des Direktoriums, Barthélemy, zu seinen Anhängern zählte, konnte die Regierung aber nur durch den Staatsstreich vom 18. Fructidor (4. September 1797) unschädlich machen.52 Deputierte und 2 Direktoren, Carnot und Barthélemy, wurden daraufhin deportiert.
Napoleon in Ägypten
Napoleon wurde beauftrag eine Invasion gegen England vorzubereiten. Er konnte das Direktorium davon überzeugen, dass solch ein Vorhaben zum Scheitern verurteilt war. Stattdessen schlug er vor Ägypten zu erobern und somit Englands Stellung in Indien zu gefährden.

Am 19. Mai 1798 begann endlich das größte Abenteuer im bisherigen Leben von Napoleon Bonaparte. Nachdem Nelsons Blockadeflotte vor Toulon schwer beschädigt wurde, gelang es der französischen Flotte weitgehend unbemerkt den Hafen zu verlassen. Auf den 72 französischen Kriegsschiffen und 400 Transportern befand sich Napoleons  Expeditionskorps für den Ägyptenfeldzug. Admiral Nelson erfuhr von einem Handelsschiff, dass Brueys Flotte Toulon verlassen hatte. Immer noch musste Nelson die Auswirkungen eines schweren Sturms ertragen und ohne die notwendigen Fregatten auskommen. Ohne geeignete Schiffe für Aufklärungsmanöver machte er sich auf die Suche nach der französischen Flotte. Am 16. Juni erfuhrNelson in Neapel vom französischen Angriff auf Malta. Er machte sich sofort auf den Weg um die gegnerische Flotte zu stellen.

Nelson erfuhr wenig später vom Fall Maltas und der Versegelung der französischen Flotte am 16. Juni. Er war jetzt fest davon überzeugt, dass Napoleon Alexandria als Ziel ausgewählt hatte. Diese Informationen waren nur teilweise Richtig, denn Napoleon verließ Malta erst am 19. Juni. Am Abend des 22.06. fuhren die beiden Flotten dicht aneinander vorbei. Aufgrund schlechter Sichtverhältnisse bemerkten die Engländer den Feind nicht und überholten ihn sogar. Die europäische Geschichte hätte vielleicht deutlich umgeschrieben werde müssen, wenn sich beide Flotten getroffen hätten und Napoleons Karriere im Mittelmeer untergegangen wäre.

Die englische Flotte unter Nelson erreichte am 22. Juni Alexandria. Da er die französische Flotte unbemerkt überholte hatte, war es natürlich klar, dass er im Hafen diese Schiffe nicht antreffen konnte. Da er aber immer noch glaubte die Franzosen seien bereits am 16. Juni versegelt, tatsächlich verließen sie Malta erst am 19. Juni, setzte er ungeduldig wieder Kurs nach Norden um seinen vermeintlichen Irrtum zu korrigieren. Die nächsten Wochen verbrachte er mit der vergeblichen Durchsuchung des Mittelmeers. Was müssen die Ägypter gedacht haben, als kurz nach der Versegelung der britischen Flotte die gewaltige Flotte der Franzosen Alexandria erreichte. Napoleon erfährt von Nelsons Abreise und begann sofort mit der Landung von 4.000 Soldaten westlich von Alexandria. Am nächsten Tag fiel Alexandria und die Flotte konnte im Hafen der Stadt das Gros des Expeditionskorps entladen. Die 13 Linienschiffe und 4 Fregatten ließ Brueys in der 12 Seemeilen entfernten Bucht von Abukir ankern.

Nachdem Nelson vergeblich die Küste Kleinasiens absuchte, machte er sich auf den Weg nach Sizilien und erreichte am 19.07.1798 den Hafen von Syrakus. Hier übernahm er eilig Proviant und verließ den Hafen am 25. Juli wieder. Dann erhielt er endlich einen wichtigen Hinweis. Die französische Flotte wurde vor 4 Wochen bei Kreta gesehen. Der Kurs der Flotte war südwärts gewesen und Nelson war ein weiteres Mal davon überzeugt Alexandria sei Napoleons Ziel. Nelson setzte sofort wieder Kurs auf Ägypten.

Napoleon ließ 3.000 Soldaten als Garnison in Alexandria zurück und marschierte mit 30.000 Soldaten auf Kairo zu. Unter den Pyramiden erwarten ihn 10.000 berittene Mameluken und 24.000 Infanteristen. Die Schlacht wurde zu einem großen Erfolg für Napoleon und am 23. Juli zog er in Kairo ein.
 
Napoleon in Ägypten


Am 1. August, wenige Tage nach Napoleons ersten Erfolgen in Ägypten, war seine Expedition bereits zum Scheitern verurteilt. In der Schlacht von Abukir wurde die französische Flotte durch einen Überraschungsangriff von Admiral Nelson vernichtet. Admiral Brueys, der Kommandeur der französischen Flotte, vermutete den Angriff der Engländer erst am nächsten Tag. Diese Fehleinschätzung bezahlte er mit seinem und mehr als 5.000 weiteren französischen Leben. Die Engländer hatten mit diesem Erfolg die uneingeschränkte Herrschaft über das Mittelmeer errungen und Napoleons Orientarmee praktisch von der Versorgung abgeschnitten.
Die zweite Koalition
Dazu kam, dass sich im Sommer 1798 auf Betreiben Russlands eine neue Koalition gegen Frankreich gebildet hatte, der sich England, Österreich, die italienischen Fürsten und die Türkei anschlossen. Das Wohl Frankreichs war jetzt nicht mehr in Ägypten oder Indien zu suchen, sondern musste an den heimischen Staatsgrenzen verteidigt werden.

Die Franzosen wurden 1799 aus Süddeutschland und aus Italien vertrieben. Ein Angriff der Verbündeten auf Frankreich selbst wurde nur dadurch verhindert, dass es Masséna gelang, den Feinden in der Schweiz mehrere Niederlagen beizubringen und ihre Vereinigung zu hindern. In diesem Augenblick landete Bonaparte in Frankreich.