Terror

Königsmord 
Die finanzielle Lage der meisten Franzosen wurde immer schlechter. Bereits Anfang 1793 waren die Assignaten nur noch die Hälfte wert.

Die Gironde war jetzt schon so gut wie besiegt, und am 17. Januar 1793 wurde der König dem Verlangen der Jakobiner gemäß zum sofortigen Tod verurteilt und das Urteil am 21. Januar 1793 vollzogen. Diese Bluttat sollte den Bruch mit der Vergangenheit vollenden und jede Rückkehr zur Monarchie unmöglich machen.

 
Ludwig XVI. wird hingerichtet
 
Die Hinrichtung des Königs erregte die Entrüstung ganz Europas. England, Holland und Spanien traten zu den Gegnern Frankreichs über. Belgien wurde von den Österreichern durch die Schlacht bei Neerwinden am 18. März 1793, und Mainz am 20. Juli durch die Preußen wiedererobert. Ein anderes österreichisches Heer drang unter Wurmser in das Elsass ein.
 
Die Republik brauchte dringend Soldaten und es begann eine strikte Rekrutenaushebung. Besonders in den königstreuen Regionen weigerte man sich die Revolution mit dem eigenen Blut zu verteidigen. In der Vendée vereinigten sich die  verschiedenen Gruppen und gingen in den offenen Widerstand gegen Paris über. Der Krieg in der Vendée begann und forderte große Aufmerksamkeit.
 
Der ehemalige Marineoffizier Charette wurde zum Führer gewählt und dank der ausgezeichneten Ortskentnisse, waren die Aufständischen den zahlenmäßg überlegenen Soldaten der Republik ebenbürtig. 
Wohlfahrtsausschuss
Immer höher stiegen die Leidenschaften in Frankreich selbst. Aus der Mitte des Konvents wurde unter dem Namen des Wohlfahrtsausschusses, dessen Häupter Robespierre und Danton waren, eine revolutionäre Regierung eingerichtet.

Am 10. März 1793 wurde in Paris ein außerordentlicher Gerichtshof zur Erforschung und Bestrafung aller Gegner der Revolution eingesetzt. Er sollte mit vom Konvent ernannten Geschworenen aus den Departements besetzt werden und wurde zunächst offiziell als "Tribunal criminel extraordinaire" bezeichnet.

Kommissare wurden in die Departements geschickt, um dort überall dem Terror zum Sieg zu verhelfen. So ermutigt, gingen die Jakobiner zum letzten Angriff auf die Girondisten über, welche immer noch die Gesinnung der großen Mehrheit des französischen Volkes repräsentierten.

Die Pariser Sektionen begannen am 31. Mai 1793 mit Sturmpetitionen und schlossen ihn am 2. Juni, indem sie den Konvent zur Verhaftung von 32 Führern der Gironde nötigten, die später zum größten Teil hingerichtet wurden.

Mit dem Sturz der Gironde erhielt das "Tribunal criminel extraordinaire" den Namen "Tribunal révolutionnaire" und wurde dem Sicherheitsausschuss unterstellt.

Um die Verfahren zu beschleunigen, wurde auf die Verteidigung der Angeklagten und auf die Anhörung der Zeugen weitgehend verzichtet. Durch das Gesetz vom 17. September 1793, der Sicherheitsausschuss erlaubte damit die listenmäßige Erfassung von sämtlichen verdächtigen Personen, wurde dem Revolutionstribunal das Mittel zur Verfolgung aller Gemäßigten und Gegnern der Revolution gegeben.
Marats Tod
Charlotte Corday (1768-1793), französische Adelige und AttentäterinAm 13. Juli 1793 erbat sich Charlotte Corday, eine Anhängerin der Girondisten, Einlass bei Jean-Paul Marat. Ihr angebliches Anliegen war der Verrat von Konterrevolutionären  ihrer Heimatstadt Caen. Tatsächlich war ihr Ziel jedoch die Ermordung Marats, denn sie sah in ihm den Hauptschuldigen an den Septembermassakern und größten Gegner der Girondisten. Ursprünglich wollte sie Marat in der Öffentlichkeit töten, doch Marat war aufgrund einer Hautkrankheit an die Badewanne gefesselt. Obwohl man Chalotte Corday anfänglich keinen Einlass gewähren wollte, gelang es ihr letztendlich vor Marat zu stehen. Nach einem kurzen Gespräch stach sie mit einem Messer auf den in der Badewanne liegenden Marat ein. Dabei traf sie seine Hauptschlagader und Marat war auf der Stelle tot.
 
Sofort wurde Corday verhaftet und drei Tage später hingerichtet. Ihr war es zwar gelungen Marat zu ermorden, doch sein Tod machte ihn zum Märtyrer und sich selbst zum Diener seiner Sache.
 
Jacques-Louis David: Der Tod des Marat


Seine Leiche wurde mit Pomp im Garten der Cordeliers begraben und sein von David gemaltes Bild auf einem Altar im Hof des Louvre erst öffentlich ausgestellt, dann im Konvent aufgehängt. Marats Mätresse wurde aus Staatsmitteln ernährt. Der Konvent ließ durch einen Beschluss den Überresten Marats die Ehre des Panthéons zuerkennen (4. Nov. 1793), aber schon im Februar 1795 wurde die Leiche wieder hinaus geworfen und gleichzeitig sein Bild aus dem Konvent entfernt.
 

Levée en masse

Die äußeren Gegner der französischen Revolution wären viel schneller vorgerückt, wenn nicht zahlreiche Festungen ihren Marsch verlangsamt hätte. Das gab dem Wohlfahrtsausschuss die Zeit Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Mit der Levée en masse (Massenaushebung) sollte das französische Volk zu den Waffen gerufen werden. Carnot brachte diesen Vorschlag in den Ausschuss und am 4. August wurde die Anordnung der Levée von Nationalkonvent und Wohlfahrtsausschuss verabschiedet. Das Revolutionsheer konnte innerhalb kurzer Zeit auf eine Stärke von 1 Million Soldaten vergrößert werden.

Marie Antoinette auf dem Schafott

Marie Antoinette endete am 16. Oktober auf dem Schafott. Dasselbe Schicksal traf viele ausgezeichnete Männer der ersten Revolutionszeit. Der Terror hatte gesiegt.
 
Marie Antoinette


Aber im Süden, besonders in Lyon und Bordeaux, erhob sich das Volk für die Girondisten; Toulon überlieferte sich den Engländern; im Westen, in der Vendée, empörten sich die royalistischen Edelleute und Bauern.
Lyon
Als in Lyon der glühende Revolutionär Chalier von den Reaktionären in das Gefängnis geworfen wurde, versuchte der Konvent von Paris aus den größten Druck auf den Gemeinderat der Stadt auszuüben. Doch das Gegenteil wurde erreicht und Chalier zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung wurde zu einem Desaster, mehrmals sauste das Beil hinab bis der Henker das Leiden Chaliers mit einem Säbelhieb beendete.
Toulon
Am 27. August 1793 hissten die 28.000 Einwohner von Toulon eine Flagge mit der königlichen Lilie darauf und riefen Ludwig XVII. zu ihrem König aus. Unterstützt wurden sie dabei von den Engländern und so öffneten sie umgehend den Hafen für englische und spanische Schiffe. Admiral Hood wurde die Stadt mitsamt 30 Linienschiffen der französischen Mittelmeerflotte übergeben.

Ungefähr 18.000 Soldaten, hauptsächlich Engländer, verschanzten sich hinter den starken Festungsmauern und sollten die Stadt verteidigen. In den Überlegungen der Engländer war Toulon der Brückenkopf um endlich auf dem europäischen Kontinent Fußfassen zu können. Außerdem sollte die Unterstützung andere königstreuen Städte ermutigen, ebenfalls gegen Paris zu revoltieren.

Die Bergpartei jedoch antwortete entschlossen, indem sie aus den ihr ergebenen niedern Klassen zahlreiche Heere gegen ihre innern und äußern Gegner organisierte.

Der erst 24-jährige Offizier Napoleon Bonaparte hatte großen Anteil an der Eroberung der Festung von Toulon und lenkte damit den Blick des Direktoriums auf sich. Lyon und Toulon wurden durch die Revolutionsarmee überwältigt und mit Massenmord und furchtbarer Plünderung bestraft. Darauf unterwarfen sich zitternd die Provinzen, wo nun meist eine Volksherrschaft mit systematischer Ausplünderung der Besitzenden hergestellt wurde. Das Christentum wurde abgeschafft und der christliche Kalender durch einen revolutionären ersetzt.
Dantons Tod
Zu Beginn des Jahres 1794 veranlasste der Wohlfahrtsausschuss die Aufhebung aller Klubs mit Ausnahme der Jakobiner. Die Jakobiner erhielten dadurch großen Zuwachs; doch hatte der Vernichtungskampf zwischen den Häuptern der Revolution längst begonnen…

Eine Partei der Terroristen unter Hébert wollte den Sozialismus praktisch verwirklichen und die Religion durch den Kult der Vernunft ersetzen. Aber Robespierre sah ein, dass sich mit solchen Grundsätzen überhaupt nicht regieren lasse, und bewirkte im März 1794 die Verhaftung und Hinrichtung dieser so genannten "Wütenden" (enragés).

In der Nacht vom 31. März zum 1. April 1794 wurde Danton verhaftet. Am 3. April erschien er mit seinen Freunden Desmoulins, Westermann, Lacroix, Phélipeaux etc. vor dem Revolutionstribunal. Die Anklage lautete auf Entwürfe Dantons, den Herzog von Orléans auf den Thron zu setzen und auf sein Mitwissen um Dumouriez' Verrat.
 
Danton vor dem Tribunal


Danton behandelte die Richter mit Verachtung und rief bei der Verkündigung des Todesurteils: "Man opfert uns einigen feigen Räubern, aber sie werden ihren Sieg nicht lange genießen; ich ziehe Robespierre nach. Der Feige! ich allein besaß die Macht, ihn zu retten." Am 5. April 1794 bestieg Danton mit seinen Freunden das Schafott. Als das Volk an der Guillotine Beifall brüllte, rief er: "Schweig still, undankbares Volk!", und dem Henker sagte er: "Ein Riemen ist genug, heb' den andern für Robespierre auf".

Robespierre und sein Vertrauter Saint-Just wollten nun durch blutige Ausrottung des unheilbar verderbten alten Geschlechts das Ideal eines allmächtigen Volksstaats verwirklichen. Das Verfahren des Revolutionstribunals wurde derart beschleunigt, dass täglich in Paris allein 60 bis 70 Menschen hingerichtet wurden.

Inzwischen wurden nach außen mit den durch Carnot organisierten Heeren unter Generälen, wie Hoche und Pichegru, auch militärische Erfolge gegen die europäischen Mächte errungen.
Fleurus
Am 26. Juni 1794 fand im belgischen Fleurus eine entscheinde Schlacht zwischen Franzosen und Österreichern statt.

Nach der Schlacht von Tourcoing übernahm General Jean-Baptiste Jourdan die Ardennen-Armee und weitere vier Divisionen der Nordarmee. Am 18. Juni 1794 marschierte die neu geschaffene Sambre-Meuse-Armee auf Charleroi zu. Auf Befehl Carnots sollte die von Österreichern gehaltene Stadt erobert werden.

Die etwa 46.000 Österreicher, unter dem Kommando von Feldmarschall Prinz von Coburg, versuchten das belagerte Charleroi zu befreien. Sie wussten allerdings noch nicht, dass die Stadt am Vortag bereits in die Hände der Franzosen gefallen war. Während der französische Kommandant Jean-Baptiste de Jourdan nur etwa 10.000 Soldaten gegen Charleroi vorgingen ließ, nutzte der Großteil seiner Armee die Zeit um Verschanzungen gegen das feindliche Heer zu errichten.
 
Fleurus
 
Die Schlacht begann um 2 Uhr morgens. Der Tag begann erfolgreich für die Österreicher, gelang es ihnen doch Fleurus einzunehmen.

Selbst nachdem Jourdan Belagerungstruppen von Charleroi und die starke Reserve heranzog und auf ein Kontingent von mehr als 70.000 Soldaten verfügte, schien der österreichische Sieg noch möglich.

Der Prinz von Coburg aber, durch die während der Schlacht eingegangene Kunde von der Kapitulation von Charleroi in Bestürzung geraten, gab gegen Abend den Befehl zum Rückzug, so dass er den fast schon errungenen Sieg aus den Händen gab.

Die Franzosen hatten etwa 5.000 Verluste, während die Österreicher nur 200 zu verzeichnen hatten.

In Coburgs Hauptquartier begann nach der Schlacht die Diskussion über die weitere Vorgehensweise in den Niederlanden. Nach dem Fall der Festung Mons war jedoch klar, dass die österreichischen Niederlande verloren waren.

Damit war den Franzosen der Weg zum Rhein, der angestrebten natürlichen Grenze, frei und wenig später besetzten sie das linke Rheinufer. Im Januar 1795 eroberte Frankreich die Generalstaaten, wo sie als erste Tochterrepublik Frankreichs die Batavische Republik errichteten.

Auch innenpolitisch hatte der französische Sieg weit reichende Folgen. Das Terror-Regime Robbespieres berief sich ständig auf die äußere Gefahr und rechtfertigte damit seine Repressalien gegen die politischen Gegner. Mit dem erneuten Sieg einer Revolutionsarmee zählte dieses Argument nicht mehr. Die Franzosen fühlten sich sicher vor den europäischen Gegnern und es sollte nur einen Monat dauern, bis Robbespiere selbst Opfer der Guillotine wurde.

Jean-Baptiste Bernadotte, der spätre Marschall von Frankreich und König von Schweden, zeichnete sich in dieser Schlacht aus, infolgedessen wurde er zum Brigadegeneral befördert.

Erwähnenswert ist auch der Einsatz von Heißluftballons während des Feldzugs. Jean-Marie-Joseph Coutelle stieg kurz vor dem Fall Charlerois mit dem Gasballon 'Entreprenant' auf, um die belagerten österreichischen Truppen zu beobachten.

Am Tag der Schlacht wurde Jean-Marie-Joseph Coutelle von General Morlot begleitet um aus der Luft einen Blick auf das Schlachtfeld werfen zu können. Es ist fraglich, ob die Schlacht von Fleurus tatsächlich durch die "Luftaufklärung" beeinflusst wurde.

Die bei Fleurus am 26. Juni 1794 von Jourdan besiegten Österreicher räumten nicht nur Belgien, sondern auch fast das ganze linke Rheinufer, während das wegen der polnischen Frage mit Österreich zerfallene Preußen untätig blieb und sogar am 5. April 1795 mit Frankreich einen bis 1806 haltenden Frieden schloss.

Auch Spanien fiel von der Koalition ab. Pichegru eroberte im Winter 1794 bis 1795 die Niederlande und gründete dort die batavische Schwesterrepublik.